Die Wirkung von Farbe und Material

Farbenfroh bunt oder lieber schlicht uni? Laut und schrill oder lieber gedeckt und ruhig? Jeder Mensch reagiert auf Farben – Uwe Linke klärt auf, was für Auswirkungen Farben und Materialien auf die Psyche des Menschen haben.

Farben haben eine besondere Bedeutung auf das Wohlbefinden, weil wir uns der Wirkung von Farbe nicht entziehen können. Unabhängig davon, welche persönlichen Erfahrungen wir mit bestimmten Farben haben, löst allein der unbewusste Anblick einer Farbe aus dem Augenwinkel ein ganz bestimmtes Erregungsmuster im Gehirn aus. Die Gehirnforschung zeigt, dass Rot zum Beispiel grundsätzlich verstärkend wirkt, Grün beruhigend und Braun erzeugt den Eindruck des Vertrauten.

Je nach Schule der Farbdeutung gibt es natürlich unterschiedliche Interpretationen, was Farben auslösen und bedeuten. Ein wahrer Fall für die Wissenschaft! Tatsächlich sind Farben an Emotionen gebunden, die anhand von Gehirnströmen gemessen werden können. Ebenso lösen Farben bestimmte Assoziationen aufgrund unserer Erfahrungen aus. Gelb steht zum Beispiel für Freiheit und Wert. Als Farbe des Lichts und des Goldes war es in China jahrhundertelang nur dem Kaiser vorbehalten, gelbe Gewänder zu tragen. Rosa steht für die Romantik – wer hätte das gedacht?! Violett ist je nach Rot- oder Blauanteil die Farbe für Einfühlsamkeit oder Verbindlichkeit.

Spontan nach der Farbe gefragt, denken die meisten an Rot

Zusätzlich zur objektiv messbaren Wirkung im Gehirn mischt sich die subjektive Erfahrung: Rot ist für alle Menschen kulturunabhängig der richtige Griff zum warmen Wasserhahn. Rot steht aber nicht nur für Feuer und Kraft, sondern auch für Blut und Gefahr. Je nach persönlicher Erfahrung ist also die Wirkung aktivierend in unterschiedliche Richtungen. Wie die Farbe letztlich wirkt, hängt auch stark von der Struktur und Haptik eines Materials in der jeweiligen Farbe ab. Denke spontan an eine beliebige Farbe. 90 Prozent aller Menschen denken dabei an Rot. Wir denken in Mustern, weil sonst die Masse der Sinneseindrücke nicht zu bewältigen ist. Werkzeug? Hammer! Blume? Rose! Nicht etwa, weil wir ständig einen Hammer benötigen oder unser aller Lieblingsblume die Rose ist, sondern weil es ein typisches, simples und leicht verständliches Bild ergibt.

Rot löst immer etwas aus, daher wird diese Farbe am häufigsten genannt. Stelle Dir also ein hauchzartes und halbtransparentes rotes Gewebe, vor dem Fenster im Sommerwind flatternd, vor. Und jetzt stellen Sie sich den gleichen Rot-Ton als schweren Samt eines großen wallenden Vorhangs in der Oper vor. Beide wirken komplett unterschiedlich! Farbe ist immer verblüffend, weil sie ein Gewicht hat. Je höher der dunkle Anteil, desto schwerer erscheint uns die Farbe. Je leuchtender, desto leichter nehmen wir Farbe wahr. 

Schwarz und Weiß

Schwarz als Gestaltungsfarbe ist aus den 1980ern zurückgekehrt: allerdings in vielen Anthrazit-Tönen und eher matt als glänzend. Weiß hingegen steht für die Unschuld, Reinheit, Neutralität und wirkt offen und frisch. Der Schwarz-Weiß-Kontrast wird hingegen gerne von Menschen genommen, die wenig Persönliches über sich verraten, aber gerne wissen wollen, ob sie geschätzt werden oder nicht. Bei Schwarz und Weiß kann der Kontrast nicht größer sein, hier beweist der Bewohner Klarheit und Strukturiertheit. 

Ein grobes Leinen oder ein feines Gewebe – die Wirkungen sind unterschiedlich

Wir verbinden Stoffstrukturen, Muster und Haptik immer mit Assoziationen. Ein Grund hierfür ist, dass unser Gehirn Informationen nur über Emotionen speichern kann. Einen mit blumigen Girlanden strukturierten Stoff verbinden wir eher mit einem herzlichen Menschen und einem ländlichen Wohnstil als ein raffiniertes, modernes Grafikmuster eines glatten Gewebes. Das liegt daran, dass wir mit Attributen wie glatt, fein und grafisch weniger Gefühle assoziieren und dafür mehr berechnende Kühle. Dieser Eindruck muss nicht immer stimmen. Natürlich sind auch Menschen, die eher schlicht und glatt eingerichtet sind, herzliche Menschen. Es erzeugt lediglich den ersten Eindruck, dessen wir uns nicht erwehren können. Leichte und transparente Stoffe lassen hingegen auf Sensibilität und Offenheit schließen. Der schwere und dichte Stoff macht einen robusten und verschlossenen Eindruck. Er könnte etwas verbergen und dramatisch enthüllen, was der transparente Stoff nicht vermag. 

Portrait Uwe Linke

Über Uwe Linke

Uwe Linke ist Wohnpsychologe, Coach und Speaker. Ursprünglich hat er eine Ausbildung als Schneider und Modedesigner absolviert. Seit 1987 führte er ein eigenes Einrichtungshaus und wurde von der Zeitschrift arcade zu den 300 besten Einrichtern Deutschlands gewählt. Uwe Linke blickt auf 25 Jahre Erfahrungsschatz im Bereich Einrichtung und Wohntextilien zurück. Um seine Kunden besser zu verstehen, bildete er sich zum Heilpraktiker für Psychotherapie fort. 2010 erschien sein erstes Buch „Die Psychologie des Wohnens“, 2012 folgte das zweite Buch mit dem Titel „Single-Frau wählt Single-Mann ... und schaut sich seine Wohnung an – Was die Einrichtung über den Charakter verrät". Uwe Linke wohnt in München.

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